„Corona“ legt auch die Sportwelt lahm: Bei den Leichtathleten haben die Ausdauersportler noch die besten Karten

Momentan nur Wunschvorstellung - Normalität im Trainingsalltag: Nicolas Krämer, Jakob Gieße und Samuel Fitwi beim gemeinsamen Training auf der neuen Sportanlage des SV Gerolstein im vergangenen Sommer (Foto: LGV)
Momentan nur Wunschvorstellung - Normalität im Trainingsalltag: Nicolas Krämer, Jakob Gieße und Samuel Fitwi beim gemeinsamen Training auf der neuen Sportanlage des SV Gerolstein im vergangenen Sommer (Foto: LGV)

Die Welt hält den Atem an, die Sportwelt bleibt da nicht ausgenommen. Es geht um das Corona - Virus.  Natürlich bleibt  auch die Leichtathletik nicht verschont. Aber warum können die Langstreckler/innen noch am ehesten mit der Situation leben? In erster Linie, weil ihre Aktivitäten nicht an Sportstätten gebunden sind. Denn diese sind mittlerweile allesamt gesperrt.

 

Langstreckenläufer/innen können ganz gut auch alleine ihrem Hobby frönen. Ohne gleich von der Polizei angehalten zu werden und ein Bußgeld oder gar Strafe zu riskieren. Sie haben also noch Glück im Unglück und können das Beste aus der misslichen Situation machen. Wie gut, dass wir in der Eifel leben und in Wald, Feld und Flur sehr reichlich Platz für alle ist. Ganz abgesehen von der gesunden Luft und vom  Genießen der schönen Eifellandschaft. Es kommt eben auf den Blickwinkel an. Natürlich ist es für die wettkampfmäßig orientierten Läufer/innen schon schwierig, die Motivation für den ganzen Trainingsaufwand hoch zu halten, sind die Laufevents angefangen vom Volkslauf bis zu den großen nationalen oder internationalen  Meisterschaften doch in weite Ferne gerückt. Pessimisten glauben, dass es in diesem Jahr überhaupt keine Wettkämpfe mehr geben wird. Aber ich zähle mich eher zur verbliebenen Schar von Optimisten. Es sollte doch bald wieder ein Licht im Dunkel des Tunnels aufflackern!

 

Für Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) stand bis vor kurzem der Focus ganz auf Olympia im Juli in Tokio. So hat sie in diesem Winter und Frühjahr schon mehrere Höhen-Trainingslager absolviert und stand vor ihren ersten großen Wettkämpfen im Hinblick auf die Vorbereitung zum vermeintlichen Saisonhöhepunkt Olympia. Nun hatte sie es gerade noch so geschafft, vom Höhentrainingslager in Kenia in die USA zu fliegen, zum Trainingslager in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, auf einer Höhe zwischen 2000 und 2500 m hoch gelegen. Kurze Zeit später wäre nach den Anordnungen von Präsident Trump auch ihre Flugreise in die Staaten nicht mehr möglich gewesen. Viele Spitzenathleten empfinden es jetzt übrigens wie eine Erlösung, dass die Olympischen Spiele um genau ein Jahr verschoben wurden.

 

Eine weitere DLV-Vorzeigeläuferin lebt ohnehin schon seit einiger Zeit in den USA, nämlich die 23 jährige Konstanze Klosterhalfen vom TSV Bayer Leverkusen. Von den bekanntesten der DLV-Läuferinnen weilt Alina Reh (SSV Ulm 1846) weiterhin in heimischen Gefilden. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie wissen nicht wie es weitergeht mit ihrem Sport. Da ist es bisweilen schon nicht einfach, durchzuhalten und auf bessere Zeiten zu warten. Aber wirkliche Alternativen gibt es derzeit nicht.

 

Auch Samuel Fitwi weiter in der Warteschleife

 

Aber wie geht es nun für die LGV-Langstreckenasse weiter? Samuel Fitwi hat gegenüber den meisten anderen nationalen Spitzenläufern den Vorteil, bereits eine Qualifikation für die Europameisterschaften vom 25. - 30.08.20 in Paris in der Tasche, nämlich mit seinem Rheinland-Pfalz-Rekord von 1.02.33 Stunden über die Halbmarathondistanz. Lieber möchte er allerdings in Paris auf der Bahn an den Start gehen, über 5000 oder 10000 m. Da müsste es aber erst mal Gelegenheiten für die Qualifikation geben, sofern nicht in Anbetracht der besonderen Lage die Statuten noch geändert werden. Eine Austragung der EM ist momentan aber sehr unwahrscheinlich.

Samuel hatte noch Glück im Unglück, dass die Deutschen Crosslaufmeisterschaften am 07. März 2020 gerade so noch über die Runden gingen. Einige Tage später terminiert, wäre auch die DM Opfer von Corona geworden.

 

Yannik Duppich hatte seinen US-Aufenthalt mit Studium und Sport, der noch bis Ende Mai geplant war, kurzfristig wegen der Corona-Krise abbrechen müssen. Die vorsorgliche Quarantänezeit hat er zu Hause verbringen können und hat jetzt die Gelegenheit wieder Trainingsrunden durch die Eifler Wälder drehen zu können. Die Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen des Masterstudienabschlusses gehen trotzdem weiter. Alles online eben. Vor Jahren wäre das noch kaum denkbar gewesen.

 

Für Samuel, Jakob Gieße und Yannik heißt es nun statt dem ursprünglich geplanten Höhentrainingslager in Flagstaff mit abschließenden Wettkämpfen in Kalifornien wieder auf Allgemeinausdauer zu setzen und im Modus umzuschalten.

Das Ziel für die Sportler der LG Vulkaneifel ist gesund und fit zu bleiben und bereit zu sein wenn es wieder grünes Licht für Wettkämpfe auf Bahn und Straße gibt.

 

Aber auch alle anderen Leichtathleten der LGV befinden sich in der Warteschleife. Besonders hart trifft dass die 19-jährige Mittelstrecklerin Katharina Fröhlig aus Ürsfeld, hat sie nach dem Abitur (mit der Gesamtnote 1,4 – nachträgliche Gratulation auch an dieser Stelle) doch ungewohnt viel Freiraum für die Ausübung ihres Sports. Auch was den Zeitpunkt ihrer Aufnahmeprüfung an der Uni in Köln angeht, schwebt sie völlig im Ungewissen. Ein Trost, dass sie mit diesen Problemen nicht alleine ist.

 

Einige LGV-Sportler/innen können das Geschehen etwas gelassener betrachten. Viola Pulvermacher hat die Zeit genutzt, um ihre langwierigen muskulären  Beschwerden endlich wieder los zu werden. Ich denke, sie ist auf einem guten Weg.

Der 20-jährige Belgier Tom Reuter, der sich im vergangenen Jahr sportlich stark entwickelt hat und dies beim Silvesterlauf in Trier mit einer tollen Zeit von 24:48 min bestätigte, musste zu Beginn des Jahres eine Trainingspause einlegen. Eine Ermüdungserscheinung am Schienbein zwang ihn dazu die Füße still zu halten. Nun hat er genug Zeit um wieder fit zu werden.

 

Allen Sportlerinnen und Sportlern eine gesunde und verletzungsfreie sowie virusfreie Zeit und ein baldiges Ende der nervigen Warteschleife wünscht

 

Heinz Reifferscheid

 

 

TV-Berichte von Holger Teusch im Zusammenhang zur Corona-Krise:

 

https://www.volksfreund.de/sport/laufen/olympiaverschiebung-koennte-zu-samuel-fitwis-chance-auf-tokio-werden_aid-49900627

 

https://www.volksfreund.de/sport/laufen/fuer-laeufer-jakob-giesse-ist-der-lieserpfad-ein-motivationsfaktor_aid-49639653